Blutegeltherapie

Die Therapie mit Blutegeln gibt es schon seit Jahrhunderten. Sie ist im Zuge der modernen Schulmedizin in Vergessenheit geraten, erlebt aber, gerade in der Tiermedizin, in den letzten Jahren glücklicherweise eine Renaissance.

Bei dieser Therapie nutzt man die Enzyme, die der Egel durch seinen Speichel beim - übrigens schmerzfreien - Beissen in die Wunde abgibt. Der Hauptwirkstoff Hirudin wirkt gerinnungshemmend und thrombenauflösend.

Schmerzverursachende Schlackenstoffe aus dem erkrankten Gebiet können schneller abtransportiert werden und machen Platz für frisches, sauerstoffreiches Blut, das die Regeneration fördert. Neben Hirudin kommen u.a. die Enzyme Egline, Hyaluronidase und Histamin zum Einsatz, welche stark entzündungshemmend, antibiotisch und gefäßerweiternd wirken. Mit ihrer Hilfe werden Entzündungen im Gewebe abgebaut und damit auch der Schmerz beseitigt.

Durch die gerinnungshemmenden Eigenschaften des Speichels kommt es zum Nachbluten aus der Wunde, was neben der reinigenden Wirkung bei Hunden auch einen systemischen Effekt hat: die Blutegeltherapie wirkt gleichzeitig als sanfter Aderlass. Im Laufe des Alters nimmt die Zahl der frischen roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut ab. Da diese für den Sauerstofftransport zuständig sind, geht damit auch die Sauerstoffversorgung im Körper zurück. Durch den Aderlass wird dem Körper die Möglichkeit gegeben, altes, sauerstoffarmes Blut abzugeben und gegen frisches auszutauschen. Mit der Steigerung der Oxidation verbessert sich auch der gesamte Stoffwechsel im Körper - saure Stoffwechselprodukte werden abgebaut, das Gewebe wird entschlackt. Gerade für ältere Hunde ist die Blutegeltherapie daher eine regelrechte Verjüngungskur.

Durchführung der Blutegelbehandlung:
Nachdem ich die Bißstellen festgelegt habe - je nach Erkrankung suche ich gezielt bewährte Akupunkturpunkte aus, um den Synergieeffekt aus traditioneller chinesischer Medizin (TCM) und Blutegeltherapie zu nutzen - werden die Stellen rasiert und leicht angeritzt, um den Egeln das Ansaugen zu erleichtern. Nach ca. 30 Minuten lassen die Egel von selbst los und fallen ab. Die Nachblutung, die bis zu ein paar Stunden dauern kann, ist ein gewünschter Nebeneffekt (s.o.). Eine Wundversorgung ist wegen der antibakteriellen Eigenschaften des Egelspeichels nicht nötig.

Beispiel Anwendungsgebiete beim Hund:
- Hüftgelenksdysplasie (HD)-eine der bewährtesten Indikationen für die Egeltherapie!
- Spondylose
- sonstige Arthrosen
- Diskopathie (Bandscheibenvorfall)
- Aderlass zur Vitalitätssteigerung